lunes, 28 de mayo de 2018

Gruselkabinett Folge 136: "Das Königreich der Ameisen"



Das Königreich der Ameisen
Autor: H.G. Wells
Label: Titania Medien
Genre: Fantasy / Abenteuer / Horror
Laufzeit: ca. 56 Minuten
Verfügbarkeit:CD / Download
ISBN: 978-3-7857-5628-7


Klappentext:

Am Amazonas 1899: Kapitän Guerilleau erhält den Befehl mit dem Kanonenboot ‚Benjamin Constant’ den Fluss hinauf zu fahren, um den Eingeborenen hilfreich zur Seite zu stehen. Dort ist angeblich eine Ameisen-Invasion ausgebrochen. Zunächst glaubt er, dass es sich lediglich um einen Scherz handelt. Doch schon bald sieht er sich und seine Mannschaft tödlichen Gefahren gegenüber...

Rezension:

Mal wieder tue ich mich was schwer mit der Rezension, denn unter dem Seriennamen wünsche ich mir meist lieber die klassische Schauerromantik und Grusel und weniger das Genre Fantasy und Adventure, aber ein ganz so festgefahrener Hörspielliebhaber, bin ich dann auch wieder nicht und so gebe ich auch anderen Geschichten auch gerne mal eine Chance. Besonders dann, wenn ich die Geschichte nicht kenne, weil es dann was ganz neues für meine Ohren gibt.

Als ich die CD in den Händen hielt, hatte ich vielleicht eine andere Vorstellung vom Plot, denn meist geht es ja bei mutierten Tieren um einen verrückten Wissenschaftler, der entweder der Welt etwas beweisen will oder einfach nur größenwahnsinnig ist, ein altes Labor in einer Burg oder verwitterten Forschungseinrichtung und einer scheuen Assistentin oder alternativ, eine Tiermutation als Nebenerscheinung von Tests und Experimenten, wie in "Fornicula" oder aus der 80er Jahre Neon-Serie "Angriff der Riesenameise". Dies entspräche dann aber wiederum nicht unbedingt den Geschichten von H.G. Wells und so schickt er und Titania Medien uns in den Amazonas, wo der Captain und der Ingenieur der Sache auf den Grund gehen sollen und den Einheimischen zur Hilfe eilen.

Tatsächlich brauche ich mehrere Anläufe für das Hörspiel, weil ich irgendwie in die Geschichte nicht so richtig reinkam und erst beim dritten Anlauf, als ich mir dann auch ganz bewusst erneut die Zeit genommmen habe, bei sonntaglichen Sonnenbaden mit Kopfhörern, denn zuvor hatte ich mich gerne von anderen Dingen beim Zuhören ablenken lassen.

Besser wurde das Hörspiel dadurch jedoch nicht, denn so ist ca. die erste Halbzeit des Hörspiels Gerede, also sehr viel Gerede und Meckerei, besonders durch den Kapitän über die unsinnige Mission, der sich ellenlang darüber auslässt, dass Katastrophen mit Tieren nun mal kommen und gehen, fügt Beispiele aus seiner Erfahrung hinzu usw... dann noch Gerede über Frauen in der üblichen Machomanier des Unwiederstehlichen,... etc... also viel Gerede, der eigentlich nicht so richtig zum Plot passt und daher auch keine Spannung aufbaut. Bisschen schmunzeln musste ich, weil sich mit beim Zuhören der Gedanke aufdrängte, ich mir vorkam wie in einem Flughafenterminal im Gatebereich, wenn das Flugzeug eine längere Verspätung hat und sich Mitreisende über irgendwas unterhalten, was einem im Grunde nicht interessiert, man aber aus Langeweile doch zuhört und dabei aufs Vorfeld guckt.

Langeweile haben auch die Protagonisten, denn hier gibt es dann, nur so aus reinem Spaß, ein eigentlich sinnloses Geballer auf Amazonas-Alligatoren, um die Zeit der Warterei totzuschlagen.

In der zweiten Halbzeit nimmt das Hörspiel und die Geschichte an Fahrt auf und da hat es mich gefreut, dass Marc Gruppe selbst, mal eine großere Sprechrolle als Leutnant Da Cunha hat und sich der Gefahr auf einem verwaisten Boot umsehen muss und von den Ameisen angegriffen wird, zwar wieder von seinen Kameraden aufgenommen werden kann, aber die Bisse der mutierten Ameisen und daran auch stirbt. Da ich seine Stimme sehr mag, gefiel mir die größere Sprecherolle sehr gut und das hat er auch fantastisch hinbekommen. Ebenso auch die anderen Sprecher, die sich sehr gut in den Personen hineinversetzen, wobei mir der Kapitän Guerilleau, gesprochen von Jean Paul Baeck, oftmals zu derbe und zu laut rüberkommt. Die Derbheit mag sicherlich einem Kapitän im Jahr 1899 entsprechen. Mutig, furchtlos und auch etwas primtiv, der seine Ängste mit lauten Machogehabe versucht zu überdecken, was aber in einem Hörspiel und bei größeren Monologen dann auch zunehmend anstrengend wird. Ab der Hälfte ist man ja im Bilde, was der Kapitän für ein Haudegen ist, der aber gerne mal andere vorschickt ;)

Atmosphärisch ist es auf jeden Fall in der typischen Art von Titania, schöne, mal ruhige, mal spannendere Musikabschnitte, in der dieses Mal viel Streichmusik eingespielt wurde und auch die Geräuschkulisse, wie immer perfekt und harmonisch angepasst. Vom Wassergerausche des Amazonas, exotische Vögel und Grillen bis hin zum tropischen Gewitter, ist auch die vorherige, feucht-schwüle Wärme gut "erfahrbar".

Ganz im Stil von Wells, gibt es kein wirkliches Happy-End. Es werden zwar auf die sich in der Distanz formierenden Ameisen aus vollen Rohren geschossen, aber warum die Ameisen mutiert sind, sich ihr Reich wieder zurückholen, erfährt man nicht. Stattdessen ein verzweifeltes Schlussappell vom Ingenieur Holroyd (gesprochen von Simon Roden, der auch als Erzähler fungiert), dass die mutierten und intelligenten Ameisen in der Lage sein könnten, auch weitere Gebiete zu besetzen, auch in Häuser sich niederlassen und auch bis Europa dringen könnten... und so endet dann auch das Hörspiel in einer Art Endzeit-Szenario.


Ich hätte mich über mehr Dichte sehr gefreut und die mutierten Ameisen nicht nur aus der Distanz wahrzunehmen, denn von den Ameisen erfährt man nur immer auf eine große Distanz, Fernrohren oder Hörensagen. Mir fehlte auch hier vielleicht das Einbringen von vielleicht einheimischer Bevölkerung, Amazonas-Bewohner, denn üblicherweise haben bei so Abenteuerreisen gerade die Naturvölker oftmals eine Erklärung durch Beobachtung und bessere Prophezeihungen, als Kolonialisten.  Dies sah aber der Plot nicht vor und aus der Erfahrung von nahezu allen Hörspielen von Gruselkabinett weiß ich, dass Marc Gruppe die Vorlage und den Plot zwar etwas umschreibt und hörspieltauglich macht, sich aber an eng an die Vorlage hält, auch wenn es dem Hörspiel und somit dem Hörer gut getan hätte und sicherlich auch dem Spannungsbogen.

Nun denn, ein schlechtes Hörspiel ist es ganz und gar nicht, aber auch nicht unbedingt das, was man sich unter dem Label des Grusels vorstellen kann. Horror ja, bei der Vorstellung, dass Menschen von riesigen Armeen von Ameisen angegriffen und getötet werden und sogar gefressen, denn Skelette wurden in dem Hörspiel ja erläutert.

Und da es diesmal um den Amazonas geht und die Rezension vielleicht nicht ganz so gut ausgefallen ist, da mir die Geschichte nicht so zusagte, gibt es als Bonus von mir eine Aufnahme aus dem Cockpit, im Sinkflug über dem Amazonas, auf dem Weg von Madrid nach Asunción.






miércoles, 2 de mayo de 2018

Gruselkabinett Folge 134: „Das älteste Ding der Welt“ Willy Seidel



Das älteste Ding der Welt
Autor: Willy Seidel / Hörspielskript: Marc Gruppe
Label: Titania Medien
Genre: Schauerromantik/Fantasy/Sience Fiction, Okkultismus
Laufzeit: ca. 88 Minuten
Verfügbarkeit: CD/Download
ISBN: 978-3-7857-5625-6 



Klappentext:


Dem achtzehnjährigen Harald von Calmus, einziger Sohn des bejahrten Reichsfreiherrn von Calmus-Dunkelstedt, ist es durch eine kleine Finte wieder einmal gelungen, seinem Hauslehrer in die freie Natur zu entkommen. Im nahen Pfaffenwäldchen hat er an jenem Nachmittag mehrere unheimliche Erlebnisse, die imstande sind, sein noch junges Leben aus den Angeln zu heben...



Vorwort:


So viel vorab: Dies ist aus gegebenem Anlass eine längere Rezension und sie spoilert. Wenn ihr also schon beschlossen habt, dieses Hörspiel in euren Warenkorb zu legen und gänzlich unvoreingenommen in den Hörgenuss kommen wollt, dann lest die Rezension nicht bis zum Schluss.



Handlung:


In einem kleinen Städtchen, ähnlich wie Limburg an der Lahn, lebt der 18 jährige Harald von Calmus, einziger Sohn eines pensionierten Reichsfreiherrn und hat alles andere im Sinn, als den Lektionen seines Hauslehrers beizuwohnen. Stattdessen geht er lieber in den umherliegenden Buchenwäldern auf abenteuerliche Art und Weise spazieren. So auch eines Samstags, wo er vor seinem Hauslehrer flieht...



Auf seinem Streifzug durch das Pfaffenwäldchen, widerfahren Harald merkwürdige Dinge. Tiere des Waldes, die einen blutigen Kampf führen, eigenartige Landschaftsformationen, die ihn in einem entrückten Zustand, wie in sanfter Hypnose durch den Wald streifen lassen, bis er zu einem Hügel mit spitzer Felsformation gelangt, auf dem in ringförmiger Formation Pilze wachsen, ein Hexenring, aus blutroten Fliegenpilzen. Dabei handelt es sich um das sagenumwobene Hünengrab. Harald wird Zeuge, wie eine Ringelnatter einen Frosch töten will, verhindert dies, indem er die Natter tötet, wodurch er auf etwas metallisches im Boden aufmerksam wird. Noch mehr Blut verteilt sich und sogleich ertönt ein metallisches, dämonisches Grollen. Die Trance verstärkt sich mehr und mehr, bis Harald widerwillens einschläft, den Weg nicht mehr nach Hause schafft und wie durch eine fremde Macht 2 Meter über den Boden schwebend schläft und phantasiert. Erst in der Halbdunkelheit erwacht er wieder, auch der Himmel verfärbte sich während seiner Trance blutrot. Krampfhaft versucht er sich an etwas zu erinnern, aber seine Erinnerungen sind verblasst. Harald weiß auch nicht, wie lange er an diesem mysteriösen Ort verweilte, da seine Uhr zur Nachmittagszeit stehen geblieben ist und so macht er sich auf den nach Hause Weg, um einer Auseinandersetzung mit seinen Eltern aus dem Weg zu gehen.

Zu Hause legt er sich schlafen, jedoch bemerkten seine Eltern, dass mit ihrem Sohn etwas nicht zu stimmen scheint, was Harald zu verheimlichen versucht. Schließlich schläft er wieder ein und seine Trance verstärkt sich seit dem Besuch auf dem Hünengrab abermals. Schwebend durch Raum und Zeit, durch kosmische Welten, Zeit, die wie im Flug vergeht. All diese Ereignisse lassen Harald denken, er sei dem Wahnsinn verfallen. Langsam kehrt seine Erinnerung zurück und er versucht seinen Zustand des Nervenfiebers auf rationale Art und Weise zu erklären....

Er erlebt ein auf und ab, wobei ihn die Erinnerung an das seltsame Erlebnis nicht los lässt. Die Wochen vergehen und wieder verfällt er in Trance, diesmal jedoch vor seinen Eltern, wodurch er seinen Zustand nicht mehr verheimlichen kann. Wieder vergehen Tage, an die Harald keine Erinnerung mehr hat und aus Sorge um ihren Sohn, schicken Haralds Eltern nach dem Arzt, welcher ihm jedoch einen gesunden und normalen Zustand diagnostiziert. Fortan beschließt Harald sich auf sein Bewusstsein zu konzentrieren. Die Gewissheit, dass er durch das Erlebnis auf dem Hünengrab zu einer Berufung erkoren wurde, die er noch nicht kennt, aber willens ist sie herauszufinden, auch wenn das seinen Tod bedeuten würde, denn er kann nicht anders. Es ist, als vermischen sich fremde Gedanken mit seinen eigenen, als wird sein Geist und eine fremde Macht zu einem Geist und Harald ist wie fasziniert von dem Unbekannten, wohl wissend, dass er sich dabei in eine Gefahr begeben könnte.

Gestärkt und mit schier unendlicher Kraft und Elan, lernt Harald zufällig den Chinesischen Geologen Herrn Sze kennen, welcher ebenfalls eine seltsame Macht über ihn zu haben scheint und mit seiner Berufung zu tun hat. Harald begibt sich in die Hände von Herrn Sze, mehr oder minder willenlos, vertraut er sich ihm an, erzählt ihm seine Erlebnisse um das Hünengrab und Herr Sze hört aufmerksam zu, sehr aufmerksam....

Hr. Sze besteht mit Nachdruck darauf, ihm ein paar Blutstropfen aus der Herzgengend zu entnehmen und verteilt dies auf der Spitze des Hühnengrabes, was aus Haralds Sicht einfach keinen Sinn ergibt, wie vieles von seinen letztlichen Erlebnissen. Aber ob er will, oder nicht, Harald ist der Macht und auch gleichzeitigen fürsorglichen Art des Herrn Sze ausgeliefert und so lässt er sein bisheriges Leben zurück, begibt sich in seine Hände, in sein Anwesen, ein Labor, welches Herr Sze auf den Hügel um das Hünengrab erbauen lies, um eine dunkle Macht zu erforschen, eine Macht, bzw. eine Waffe, die alles bisherige in den Schatten stellt und mit sehr ungewissem Ausgang für Harald.....



Rezension:


Willy Seidel war mir als Autor und somit auch seine Geschichten bisher unbekannt, was aber kein Nachteil darstellen muss, denn gänzlich frei in eine Geschichte abzutauchen hat durchaus auch seinen Reiz und neue Überraschungen hat man ja immer gerne, gerade auch deshalb, weil im Bereich der Hörspiele viele historische Geschichten vertont werden, die man schon kennt. Manchmal überrascht es einen zum positiven, manchmal zum negativen. Das älteste Ding der Welt ist für mich wie eine Achterbahnfahrt.

Gleich zu Anfang geht es steil Berg auf, weil sich dort Elemente der Schauerromantik, mit Übernatürlichem, Fantasy und Sience Fiction Elementen kombinieren, als der Protagonist seine Erlebnisse in Trance hat und ich unbedingt wissen wollte, was dahinter steckt und wie es weiter geht. Danach macht der Plot aber ziemlich schnell eine Talfahrt und ist geprägt von langen Episoden, in denen, gemessen an der Länge der Abschnitte, eigentlich nicht sonderlich viel Handlung passiert, oder besser gesagt eine lange Episode, wo undurchsichtige Handlungen geschehen, deren Sinn sich zunächst nicht erschließen lässt und bedingt durch die Länge des Hörspiels verwirrend wirken. Würde der Erzähler, Peter Weis, nicht so einen super Job hinlegen und einen bei der Stange halten, dann wäre ich gedanklich abgeschweift, besonders ab dem Mittelteil, wo Harald schon in den Fängen von Dr. Sze ist und mit Drogen betäubt wird. Der Plot ist zwar einerseits gradlinig gehalten, andererseits vermischt Willy Seidel aber nicht nur Elemente des Sience Fiction, Fantasy und Schauerromantik wie zu Anfang, sondern lässt auch noch okkulte Themen mit einfließen, was insgesamt zu viel des Guten ist. So handelt es sich bei dem ältesten Ding der Welt um eine Gottheit aus Eisen, die es in Form eines Meteoriten vom Planeten Saturn auf die Erde verschlagen hat und einmal erweckt, dort mit so viel Blut besänftigt werden muss, wie sein Eigengewicht beträgt, gelänge dies, so wäre er zerstört. Dafür müssten aber Unmengen von Blut fließen, wie es nur bei einem Krieg möglich wäre.

Man muss aber ganz klar unterscheiden zwischen der literarischen Vorlage, auf welcher das Hörspielskript basiert und wie das label das Hörspielskript und natürlich die atmosphärische Vertonung gestaltet.

Was die Vertonung angeht, ist es wieder mal absolute Titania Spitzenklasse. Die Musik ist sensationell umgesetzt und beeinflusst die Stimmung des Zuhörers gekonnt. Als Harald beispielsweise frei und frohen Mutes in den Wald läuft, unterstreichen Harfenklänge idyllisch die Szenerie und wechseln zu orchestralen und heroischen, epischen Klängen, als er, seiner Sinne umnachtet, in Trance durch Raum und Zeit, losgelöst von allem rationalen Denken, kurz vor dem Wahnsinn stehend, körperlos durch den Aether fliegt und Himmelskörper auf ihn zu fliegen. Ein absoluter Genuss. Auch die Schauermomente, als das älteste Ding der Welt in Aktion tritt, sind so gut umgesetzt, dass es einem fast das Blut in den Adern gefrieren lässt. Dazu die immer passenden und sehr detailreichen Umgebungsgeräusche in einer unglaublichen Vielfalt, wo jeder Grashalm im Wind, die Tiere des Waldes, ja auf jedes Geräusch, welches entsteht, wenn die Protagonisten die Geschichte erleben, zeitlich treffend, wunderbar in Intensität und Differenzierung zusammenspielen und ein sehr detailreiches, harmonisches Bild ergeben. Was das angeht, ist meiner Meinung nach Titania das beste label, im Vergleich zu anderen.

Das Sprecher Ensemble besteht bei dieser Gruselkabinett Folge wieder aus erstklassigen und hochkarätigen Sprechern: Dagmar von Kurmin und Horst Naumann als Eltern von Harald. Sascha von Zambelly, der den Hauslehrer spricht und nur eine kleine und kurze Nebenrolle hat. Daran sieht man auch, wie detailverliebt Titania ist und auch kleinere Parts mit tollen Profis besetzt. Den größten Part hat natürlich Harald (Louis Friedemann Thiele). Der Wechsel vom erstaunten, dem Wahnsinn nahen jungen Mannes, welcher nach und nach in die Fänge des Dr. Sze gerät, gelingt ihm gut, ohne ihn dabei zu ergeben wirken zu lassen. Den weiteren großen Part bei dieser Geschichte hat Matthias Lühn, der den Chinesischen Dr. Sze spricht, was wohl auch die schwerste Aufgabe gewesen sein mag und auch mein einziger Kritikpunkt ist, was die Sprecherrollen anbelangt. Einen großen Teil des Hörspiels versucht Matthias, die Rolle gemäß Vorgabe seines Charakters den er vertont, mit einem Chinesischen Akzent zu sprechen, was aber mittelprächtig gelungen ist und eher anstrengt zuzuhören, um den Sinn der Worte zu erfassen, der bei dieser Story ohnehin schon verworren ist. Die Undurchsichtigkeit des Dr. Sze und die Wechsel des Fürsorgers hin zur dämonischen Ader gelingt ihm jedoch sehr gut mit Wechseln von Höhen und Tiefen in seiner Stimmlage. Die weiteren Sprecher haben eher Nebenrollen und so wirken ebenfalls Bodo Primus als Hausarzt, Kathryn McMenemy als Hausmagd und Rolf Berg als ein Fabrik Direktor mit.

Die Geschichte erschien erstmalig im Original im Jahr 1923 und enthält eindeutiges, zweifelhaftes, patriotisches Gedankengut mit Vorurteilen gegenüber anderen Völkern, welches Marc Gruppe in dem Hörspielskript weitestgehend gekürzt hat und das ist auch gut so, aber dennoch lässt sich der ursprüngliche Tenor, den Herr Seidel verbreiten wollte, nicht leugnen.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Story nicht meins war. So gut, wie sie anfing, so stark lässt sie aber ab der Mitte auch nach und am Ende hinterlässt sie einen mit einem faden Beigeschmack, mit einem Schluss, der letztendlich bedeutet, dass den Deutschen eine dämonische und bluthungrige Waffe aus Eisen zufällt. Beschäftigt man sich dann mit der Vita des Autors Seidel, so erfährt man, dass er mit der literarischen Erstellung Deutscher Kolonialpropaganda beauftragt war und zur Machtergreifung der Nationalsozialisten einer der Schriftsteller war, der das Gelöbnis treuester Gefolgschaft Adolf Hitlers unterzeichnete. All dies und vor dem Hintergrund des Erscheinungsjahrs und die darauffolgenden geschichtlichen Wendungen, die danach eintraten, lassen die Story und ihr Credo in einem zweifelhaftem Licht erscheinen.

Dennoch finde ich es mutig, dass sich Titania solch einer Story gewidmet hat und wirklich das beste mit ihrem Hörspielskript und der Vertonung rausgeholt hat, aber ob sie sich damit einen großen Gefallen getan haben.... Die atmosphärische Hörspielumsetzung ist top, aber die Story eher nicht so.

Wie findet ihr das? Seht ihr das genau so? Oder vielleicht anders? Teilt es mir gerne wie immer über die Kommentare mit.


In diesem Sinne, bis demnächst und wie immer wünsche ich euch viel Spaß auf den Ohren,
euer Matthi.

miércoles, 4 de abril de 2018

Gruselkabinett Folge 135: "Brickett Bottom"


Brickett Bottom
Autor: Amyas Nothcote
Label: Titania Medien
Genre: Schauerromantik/Geistergeschichte/Mystery
Laufzeit: ca. 50 Minuten
Verfügbarkeit:CD / Download
ISBN: 978-3-7857-5626-3

Klappentext:



Der betagte Reverend Arthur Maydew tauscht die Gemeinde mit einem Kollegen auf dem Lande. Seine unverheirateten Töchter Alice und Maggie begleiten ihn und nutzen die Zeit, um die idyllische Gegend zu durchstreifen. Bei einem ihrer ausgedehnten Spaziergänge sehen sie in der Ferne ein einsam gelegenes Backsteinhaus, das eine der Töchter magisch anzuziehen scheint...


Handlung:

Zwei ledige Schwestern, die den Haushalt ihres betagten Vaters und Pastor führen, tauschen für ein Jahr die Gemeinde und ziehen aufs Land.
Die ältere Schwester Maggie ist davon weniger begeistert, auf die Aussicht, ein Jahr nahezu nur mit ihrer Schwester und ihrem Vater verbringen zu müssen, die jüngere Schwester jedoch voller Tatendrang und Abenteuerlust.

Angekommen in der ländlichen Idylle und bei Spaziergängen im Umland, wird dieses kleine, pittoreske Haus aus der Ferne entdeckt, jedoch nur von Alice, nicht aber von Maggie, die den Umstand aber auf ihre Kurzsichtigkeit schiebt.
Nachdem Maggie sich bei dem Spaziergang den Knöchel verstaucht hat und ans Haus gefesselt ist, führt es Alice immer wieder in die Nähe des Hauses und sie verweilt dort, bis zu jenem Moment, wo sie auf die Eigentümerin und Bewohnerin des Hauses, Mrs. Paxton trifft und diese eine Einladung zum Tee ausspricht. Am liebsten möchte Mrs. Paxton sofort das Haus zeigen, doch die pflichtbewusste Alice will sich dann doch um ihre erkrankte Schwester kümmern und den Vater versorgen, verspricht aber, für den Folgetag die Einladung anzunehmen. 
Unter großem Protest und Sorge ihrer Schwester Maggie folgt Alice dennoch am nächsten Tag der Einladung, verspricht aber ihrer Schwester, am späten Nachmittag wieder nach Hause zu kommen.
Alice verspätet sich jedoch und gemeinsam mit ihrem Vater, der sich auch mittlerweile Sorge macht, bitten sie den Gärtner des Hauses, ihnen bei der Suche zu helfen. Doch der Gärtner, der schon immer in der Gegend lebt, kennt die Eheleute Paxton nicht. Dennoch begeben sie sich auf den von Maggie beschriebenen Weg zu dem Haus.... doch da ist kein Haus.... kein Garten.... und auch keine Alice...

Aber.....   wo ist Alice?

Rezension:

Anfänglich war ich skeptisch bei dem Hörspiel. Das Bild, was zwar schon schön ist, ist aber erstmal wenig ansprechend für eine Gruselgeschichte. Dennoch machte mich der Klappentext und dieses idyllische Bild auch irgendwie neugierig. Eigentlich erwartete ich so ein bisschen, eine langweilige Story mit einem bisschen sanften Grusel, im Stil von "Gaslicht" Groschenromanen, da mir der Autor, wie auch die Story unbekannt war. Daher auch meine gesteigerte Neugier.

Kritisch war ich dann auch, bei der Verteilung der Sprechrollen, besonders wegen Reinhilt Schneider, die für mich ewige "Jenny Jenkins" bei "Hanni und Nanni" und natürlich die chaotische Tochter "Schrumpelmei" der "Hexe Schrumpeldei". Doch ich wurde angenehm und schaurig überrascht.

Man könnte dem Hörspiel auch den scherzhaften Untertitel "Who the f*** is Alice" geben und ich hoffe, das Marc Gruppe mir das verzeiht, aber der Gedanke drängte sich schon zwischendurch immer wieder auf, wenn die beiden Protagonisten, wie vezweifelt, die Tochter bzw. Schwester Alice Maydew (Reinhilt Schneider) suchen.
Und hier hat Reinhilt eine ganz tolle Leistung geliefert. Anfänglich, bei dem Bedrängen des Vaters, kommt wieder so die typische Stimme des sprudelnden Bachs im Frühling, lustig, aufgedreht, voller Neugier und Vorfreude und ist die ideale Besetzung und Ergänzung zu ihrer älteren Schwester Maggie Maydew, gesprochen von Daniela Bette, die die nüchterne, ältere Schwester spricht, die so ganz und gar nicht davon begeistert ist, in die vermeintliche Einöde zu ziehen. Ebenso zeichnet sie sich durch hohes Verantwortungsbewusstsein für ihren betagten Vater, als auch für ihre jüngere Schwester aus. Die Sorge, wenn Alice immer wieder zu diesem Haus hin will, die Angst um ihre Schwester, als diese sich deutlich verspätet und wegen eines verstauchten Fußgelenks sich nicht so bei der Suche beteiligen kann, wie sie es gerne möchte und die unterschwelligen Selbstvorwürfe, es ihrer Schwester nicht energischer verboten zu haben und dann die nackte Angst, die Daniela Bette vermittelt, diese absolute Panik, wenn  das Hörspiel zum Höhepunkt aufläuft.
Diese Schreie von Alice, voller Angst, Verzweiflung, den Horror erlebend, genial von der Technik her mit Echo unterlegt, der durch Zeit und Raum in die Tiefen geht, bis ins Knochenmark des Zuhörers, wo einem die feinen Härchen am Körper sich aufrichten, mit einer Gänsehaut, unterlegt von einer subtilen, bedrohlichen Musik und das aufkommende Grauen in ihrer Schwester, als sie diesen verzweifelten Hilferuf hört.

Herrlich ist auch Dagmar von Kurmin, die ja eigentlich immer toll ist und hier die Mrs. Paxton einspricht, mit einer lieben, warmherzigen, freundlich lockende Stimme, Alice mit kleinen Komplimenten umgarnt, diese einlädt und darauf besteht, dass sie ihren Ehemann, Herrn Paxton, kennenlernt, der schöne, junge Frauen gerne mag.
Man merkt, wie Dagmar von Kurmin auch hier wieder professionell in eine andere Rolle schlüpfen kann, diesmal eben nicht als besorgte Helferin, sonder die die höfliche Naivität von Alice ausnutzt, um diese in eine Falle zu locken oder besser gesagt, auf die andere Seite.

Auch die Musikkompositionen sind wieder stimmig in die Geschichte eingewebt, passen hervorragend zu der viktorianischen Geschichte, in die Epoche und ebenso die Geräuschkulisse der Natur, wo die Schwestern spazieren gehen, klappernde Teetassen in einem englischen Landhaus und ja, von der Erzählung her, baut sich eine typisch britische Szenerie mit einem verwunschenen Garten auf, mit einem verträumten Häuschen, in dem etwas lauert.

Ein wieder tolles Hörspiel ist damit gelungen, was auf dem ersten Blick, wegen dem romantischen Bild nicht das erscheint, was drin steckt. Eine richtig schöne Geistergeschichte, die mich stellenweise an "The Others" denken lässt und man sich die Frage stellt, wer im Diesseits oder Jenseits ist.

 Alice Maydew: "BITTE HELFT MIR.... ICH BIN HIER.... HILFEEEE!!!"






Hörprobe: Brickett Bottom


martes, 3 de abril de 2018

Sherlock Holmes Folge 33 „Das graue Haus“



Autor: Sir Arthur Conan Doyle & E. u. H. Heron/Hörspielskript Marc Gruppe 
Label: Titania Medien 
Genre: Hörspiel, Krimi 
Laufzeit: Ca. 50 Minuten 
Audio CD (29. März 2018) 
Anzahl Discs/Tonträger: 1 
Verfügbarkeit: CD/Download 
ISBN: 978-3-7857-5627-0 



Klappentext:



Das graue Haus hat in der ländlichen Gegend, in die es Sherlock Holmes und Dr. Watson verschlagen hat, traurige Berühmtheit erlangt. Vier Menschen, drei Männer und eine junge Frau, wurden dort erhängt aufgefunden. Von einem Seil aber fehlte jede Spur. Das reicht aus, um die Neugier des Meisterdetektivs zu wecken...



Handlung:

Im Sommer 1893, einem äußert trockenen Sommer, zieht sich Sherlock Holmes auf Anraten und Drängen von Doktor Watson für ein paar Wochen an die Küste von Devon zurück, damit er dort eine langwierige verschleppte Erkältung auskurieren und sich erholen kann.

Dr. Watson stattet seinem Freund Sherlock Holmes einen einwöchigen Besuch in seinem Sommerdomizil ab, welcher auch sichtlich erfreut über dessen Besuch ist und dadurch aus der für ihn gähnenden Langeweile und Eintönigkeit gebracht wird.

Watson nutzt den Besuch auch - so ist er ja Mediziner, der unter anderem als Militärarzt gedient hat - um sich über die gesundheitlichen Fortschritte von Holmes zu überzeugen, denn dieser möchte am liebsten wieder mit ihm zusammen nach dieser Woche abreisen, zurück in die Baker Street 221b in London.

Um in die gemeinsame Woche an der Küste ein wenig Abwechselung zu bringen, organisierte Holmes ein Treffen mit dem ortsansässigen und überaus angenehmen Landarzt, Dr. Fremantle, der sich in seiner Freizeit mit Botanik beschäftigt und so begeben sich die drei Herren nach einer Runde Tee auf eine Kutschfahrt durch die Küstengegend, bis sie an ein großes, graues, etwas verwildertes Herrenhaus gelangen, vor dem eine mächtige Zeder wächst, was ihr Interesse weckt.

Holmes überzeugt Dr. Fremantle ihnen mehr über die Geschichte des verkommenen Hauses zu erzählen und der gutmütige Landarzt bringt ihnen die tragische Geschichte, die sich um das Herrenhaus ringt, näher und steuert mit der Kutsche darauf zu.

Wie sich herausstellt, geschahen in dem mittlerweile verlassenen Haus mysteriöse Mordfälle, die bis heute nicht geklärt werden konnten. Alle Opfer, 4 an der Zahl, wurden erhängt, ohne dass man jedoch jemals ein Seil oder ähnliches fand. Diese Umstände führten dazu, dass es verschiedene Theorien gab, welche die Todesfälle zu erklären versuchten, auch Theorien, die in den Bereich des übernatürlichen führten. Bekanntlich ist Holmes aber ein strikter Gegner des übernatürlichen und ein Anhänger der Logik. Dieses Mysterium zu lösen, weckt natürlich das Interesse des Meisterdetektivs und er erfährt weitere Details über die Geschichte des Hauses. So ist der Besitzer ein Mr. Montesson, ein junger, sympathischer und gut gebauter Mann, welcher das Herrenhaus als jugendlicher erbte. Bis zu seiner Volljährigkeit wurde jedoch ein Vormund bestellt, Mr. Lampert, ein unbeliebtes Scheusal mit einer großen Vorliebe für exotische Pflanzen, der auch das Anwesen in einen subtropischen Garten verwandelte. Wie das Schicksal so spielt, wurde Mr. Lampert seiner Zeit jedoch das erste Todesopfer. Ein Opfer seiner eigenen Vorlieben etwa?

Holmes beschließt den Fall aufzuklären, zu beweisen, dass es eine rationale Erklärung für die Todesfälle gibt. Gleich am selben Tag noch telegraphieren sie Mr. Montesson, indem Sherlock Holmes seine Dienste anbietet, den Fall aufzuklären. Mr. Montesson willigt erfreut ein und macht sich sogleich auf den Weg in die Küstenstadt Devon, wo sich dann die Herren Holmes, Watson und Montesson in das graue Haus begeben und sich auf die Suche...



Rezension:

Eigentlich kann unser geliebter Meisterdetektiv keine neuen Abenteuer erleben, jedenfalls nicht, wenn man sich auf die ursprünglichen Fälle aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle bezieht. Dass dies aber dennoch geht, beweist Marc Gruppe mit einem Geniestreich. Die Geschichte „Das graue Haus“ basiert auf einer anderen Geschichte, nämlich auf „The story of the grey house“, welche keine Holmes Geschichte von Doyle ist, sondern auf der Geschichte des fiktiven Ermittlers „Flaxman Low“ von E. & H. Heron basiert. Marc Gruppe ersetzt den Ermittler durch die Charaktere Holmes und Watson und schreibt sie um zu einer Holmes Story. Man merkt aber an keiner Stelle, dass es sich dabei nicht um eine Holmes Story handelt.

Das Hörspiel besteht im wesentlichen aus 4 Charakteren, die dadurch lange Dialoge haben, aber auch durch ihr großes Talent brillieren und mit ihrer Leistung in den Vordergrund gelangen. Die Synchronsprecher fassen sich gut in ihre jeweilige Rolle ein und erfüllen diese perfekt. Die vertrauten Sprecher Joachim Tennstedt (Holmes) und Detlef Bierstedt (Watson) sorgen sofort für das vertraute Gefühl, dass es sich hierbei um eine „echte Holmes“ Story handelt, wobei Joachim Tennstedt ein wenig heiser klingt, was aber wiederum perfekt zu dieser Episode passt, da Holmes sich ja von einer starken Erkältung erholt. Wer die Werke von Titania kennt, der weiß ihre Fähigkeit zu schätzen, ihre Hörspiele perfekt durch ihre Vertonung atmosphärisch zu akzentuieren. Das ist auch in diesem Fall wieder einmal gelungen. Pferdehufe auf verschiedenen Untergründen und Fahrgeräusche der Kutsche, die Kulisse an der Küstenstadt mit Wind, Vogelgezwitscher, das alles ist in seiner zeitlichen Reihenfolge und Intensität gut abgestimmt, sodass gedanklich ein stimmiges Bild entsteht. Die Musik ist gut aber zurückhaltend ausgewählt und dort wo sie eingesetzt wurde immer passend. So bekommt man z. B. schon einen Eindruck, wenn die Protagonisten sich der Schlingpflanze nähern und diese begutachten, dass es sich dabei um eine Gefahr handeln könnte...

Michael-Che Koch spricht die Rolle des Dr. Fremantle. Man lauscht seiner markanten und facettenreichen Stimme gerne und er spricht nicht nur, sondern spielt die Rolle des angenehmen und freundlichen Landarzt sehr gut, sodass ich mich auf mehr Werke, in denen er mitspielt, freue. Bruno Winzen übernimmt die Rolle des sympathischen, wohlerzogenen jungen Mannes, Mr. Montesson. Bei seiner Stimme bin ich oft verblüfft, denn er kann in solch verschiedene Rollen schlüpfen, sodass der Eindruck entsteht, es handele sich dabei um völlig verschiedene Personen. Er bekleidet die Rolle des sympathischen jungen Mannes sehr gut und vor allem die dramatischen Szenen unterstreicht er gekonnt mit Dramaturgie durch den Ausdruck seiner Stimmfarbe.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Hörspiel nicht enttäuscht. Ich war zugegeben sehr gespannt etwas völlig neues von Sherlock Holmes zu hören, besonders von Titania, denn im Vergleich mit anderen Labels und anderen Sherlock Reihen, die wie einfache gesprochene Dialoge aus Hörbüchern klingen, ist dieses Werk doch eine ganz andere Klasse. Holmes typisch ist die Story eher reduziert, aber man merkt einfach, welches Talent und Wissen in Marc Gruppe steckt. So baut er gekonnt eine Parallele aus Edgar Ellen Poe´s Rue Morgue ein und obwohl die Story am Ende leicht abfällt und in sich abgeschlossen ist, hebt er es auf und baut noch einen kleinen cliffhanger ein. Ein wahrlich gelungener Schachzug und ein Geniestreich, dieses Werk und wie sie es umgesetzt haben, Herr Gruppe. Chapeau!

In diesem Sinne, rein in die Läden, rein in die onlinestores und wie immer wünsch ich euch viel Spaß auf den Ohren mit diesem interessanten Holmes Werk.





martes, 20 de marzo de 2018

Gruselkabinett Folge 132/133 "Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street"


Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street 
Autor: vermutlich Rymer/Prest
Label: Titania Medien
Genre: Hörspiel, Horror
Laufzeit: ca. 127Minuten
Verfügbarkeit: 2 CD im Schuber/ Download
ISBN: 978-3-7857-5624-9 


Klappentext:

CD1:

London 1785: Colonel Jeffery von der königlichen Marine stellt Ermittlungen an, um seinen Kameraden Lieutenant Thornhill zu finden. Die Spuren führen zum Salon von Sweeney Todd in der Fleet Street. Der Barbier steht im Ruf, ein sehr brutaler Dienstherr zu sein und gilt auch ansonsten als nicht gerade zimperlich. Sein Barbier-Salon birgt ein Geheimnis, das grauenvoller ist als alles, was Colonel Jeffery sich vorzustellen imstande ist...

Klappentext:

CD2:

Die Ereignisse rund um das mysteriöse Treiben im Barbier-Salon von Sweeney Todd in der Fleet Street spitzen sich zu. Johanna Oakley fasst einen folgenschweren Entschluss und auch Tobias Ragg beschließt, sein Schicksal gegen alle Widrigkeiten in die eigene Hand zu nehmen...


Handlung:

Man hüte sich in London vor Herrensalons und kleine Pastetenladen.... in der Fleet Street...

Fleet Street, London 1906


Sweeney Todd, ein Barbier der seinen Kunden auch kleine Op-Eingriffe, neben Haarschnitten und Bartrasuren anbietet, hütet sein persönliches, blutiges Geheimnis, mit der Ladeninhaberin eines Pastetengeschäfts, die mit der Hilfe von Sweeney Todd gefüllt werden, denn die leckeren pasteten werden mit Fleisch gefüllt. Mit Menschenfleisch.... 

Rezension:

Mit der Doppelausgabe hat sich Titania Medien selbst übertroffen. Waren die letzten Hörspiele mehr im Bereich Sci-Fi, Fantasy und Abenteuer angelegt, so ist Sweeney Todd wieder ein klassisches Hörsppiel für den Liebhaber des Horrors. Diesmal allerdings keine Episode mit ruhelosen Seelen, Geistern, Mystery, sondern der pure Horror eines Serienkillers und seiner Gehilfin, garniert mit einer zarten, am Rande angelegten Liebesgeschichte und greift das eigentliche Original "The String of Pearls: A Romance" ("Die Perlenkette: Ein Märchen") auf, angesiedelt im viktorianischen London.

Eine herrlich, dichte Atmosphäre und durch die Doppelfolge, bleiben auch keine Fragen offen oder Kürzungen, dass man die etwas komplexe Handlung und Perspektivenwechsel nicht nachvollziehen könnte.

Durch die Geschichte, bzw. den Szeneriewechsel wird von dem auf eigene Faust ermittelnden Colonel Jeffrey (Thomas Balou Martin) mit seiner tiefen, ruhigen Stimme, der aber auch aktiv im Hörspiel sein Charakter einspricht.

Todds Lehrling, Tobias Ragg, eingesprochen von Tom Raczko ist aber, neben Sweeney Todd, der eigentliche Hauptsprecher, der bei dem strengen Todd als Lehrling anfängt, und dem barbarischen Treiben auf die Schliche kommt. Todd schafft es jedoch immer wieder, Tobias an sich zu binden, da Todd ein Geheimnis über Tobias Mutter weiß, womit er in der Lage ist, Tobias Mutter ins Gefängnis zu bringen.
Tom gibt Tobias nicht nur eine Stimme, sondern er lebt ihn. Zwischen demütigen Lehrling, voller Angst, als er schrittweise dem Grauen auf die Spur kommt und das Geschehen langsam selber in die Hand nimmt. Im zweiten Teil dann der Gehetzte, nachdem Todd es mit einer List geschafft hat, Tobias in einer Nervenheilanstalt einweisen zu lassen, aus die er fliehen kann und sich verborgen halten muss. Als Tobias Raggs Mutter, Mrs. Ragg, wurde die grandiose Stimme der Hörspiellegende Dagmar von Kurmin gesprochen, was, wie jeder Hörspielliebhaber weiß, immer ein Genuss ist.

Jacques Breuer spricht Sweeney Todd und das macht er mit Leidenschaft. Das schleimende, falsch freundliche Gehabe, um Kunden zu umgarnen und täuschen, wenn der Moment des Mordens eintritt, den schrillen Wahnsinn der Mordlust, das Aufbewahren der Accessoires seiner Kunden und strenge, bedrohliche Dominanz gegenüber Tobias. Man fröstelt schon, wenn er immer boshafter und wahnsinniger wird.

Eine weitere Hauptrolle ist die skurrile Mrs. Lovett. Eine gute Bekannte von Sweeney Todd, die im Block einen Pasteten-Laden führt, der gerne frequentiert wird, weil es die leckerstesten Pasteten Londons sind. Man erschaudert, wenn über den köstlichen Geschmack der Fleischpasteten gesprochen wird; dämmert einem ja, was die köstlichen Pasteten beinhalten. Ob man nach dem Hörspiel noch Fleischpasteten mag...? 
Jedenfalls wird Mrs. Lovett von der Schauspielerin und Synchronsprecherin Daniela Bette gesprochen und und auch hier gibt sie dem Charakter eine besondere Aura, zwischen harter, geschäftstüchtiger Ladeninhaberin und erbarmungsloser Chefin, gegenüber ihrer Küchenhilfen, verschwitzter gestresster Frau, mit einem Touch billiger Morbidität eines leichten Mädchens, die etwas zu verbergen hat und ebenso unerbittlich und böse ist, ihre Gehilfen in den Tod zu schicken, wenn sie die Nase von denen voll hat.

"Geh zu Sweeney Todd, und lass dir den Bart auf die gleiche Weise schneiden, wie Simon."



Witzig ist auch, sowohl Marc Gruppe, den man ja hier und da mal kurz in den Hörspielen hört, so hat auch Stephan Bosenius einen Cameo-Auftritt. Hört man raus, wenn man genau hinhört.

Perfekt ist wieder die Musik abgestimmt. Zwischen leichter Orchestermusik im Intro und bedrohlicher Musik, wenn es gruselig wird und sich zum Horror steigert. Da es auch diesmal nicht das übliche Kammerspiel ist, sondern diverse, wechselnde Orte, sind die Geräuschkulissen perfekt abgestimmt. Von Straßengeräuschen Londons, knarzenden Holztüren und Schrankscharnieren, Fallgeräusche und tote Körper, die achtlos auf den Boden fallen.

Alles in allem ein perfektes Horror-Hörspiel, dass einen wirklich gruseln lässt, besonders dann, wenn es um einen herum dunkel ist.

Ist also mein persönlicher Tipp, damit das Grauen auch unter die Bettdecke kriecht.


"Nehmen Sie Platz, mein Herr..."





Hörprobe CD 1: Sweeney Todd Teil 1

Hörprobe CD 2: Sweeney Todd Teil 2


Anmerkung: Tim Burton inszenierte die Geschichte von Sweeney Todd als Musical, im Jahr 2007 und ist als DVD und BlueRay erhältlich. In den Hauptrollen, na klar Johnny Depp als Sweeney Todd, sowie Helena Bonham Carter (Bellatrix aus Harry Potter) als Mrs. Lovett, sowie Allan Severus Snape Rickman als Richter Turpin.

Sweeney Todd Warner Bros Pictures


martes, 16 de enero de 2018

"Flugangst 7A" von Sebastian Fitzek



Flugangst 7A
Autor: Sebastain Fitzek
Label: Droemer HC
Genre: Thriller
Verfügbarkeit: Hardcover/eBook/Hörbuch
ISBN: 978-3426199213
Preis: € 22,99


Klappentext:

Es gibt eine tödliche Waffe, die durch jede Kontrolle kommt.
Jeder kann sie ungehindert an Bord eines Flugzeugs bringen.

Ein Nachtflug Buenos Aires-Berlin.
Ein labiler Passagier, der unter Gewaltphantasien leidet.
Und ein Psychiater, der diesen Patienten manipulieren soll, um an Bord eine Katastrophe herbeizuführen.
Sonst verliert er etwas sehr viel Wichtigeres als sein Leben ...


Rezension: 

Zur Abwechslung mal wieder eine Buch-Rezension, was man so richtig in die Hand nehmen kann, mit Seiten zum umblättern und kein Hörbuch.

Eigentlich rezensiere ich nicht so gerne Bücher aus dem Mainstream, da aber meine Freunde wissen, dass ich gerne lese und dieses zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, gelangte so auch ein Bestseller-Buch in meine Hände und ja, anfangs habe ich mich sehr gefreut, mal wieder einen Thriller zu lesen, so ganz aus der realen Welt, statt mein übliches Genre der Fantasy oder Schauerromantik. 
Kleiner Hinweis: Wer das Buch/Hörbuch schon hat und es sich selber gerne antun möchte, sollte dann die Rezi nicht lesen, denn sie spoilert. Wer jedoch in betracht zieht, sich das Buch zu besorgen, kann natürlich weiterlesen und sich überlegen, ob er tatsächlich dafür € 23 ausgeben möchte.

Los geht's...

Der Klappentext ist sehr vielversprechend und hat mich auch neugierig gemacht, daher war es das erste von vier Büchern, die ich geschenkt bekommen habe, welches ich angefangen habe zu lesen. Schon das Hardcover ist wirklich super gelungen. Eine Flugzeugtür von außen, mit einer Hand, die gegen das Bullauge drückt. Macht man den Umschlag ab, ist es ein 3-D Cover (oder auch Wackelbild), wo die Flugzeugtür geöffnet ist, man eine Galley (Bordküche) und so halb eine Person schemenhaft sieht.  



In dem Buch sind eigentlich fünf Plots in Charaktere unterteilt, miteinander verwoben, eingeteilt in recht kurzen Kapiteln, was ganz praktisch ist, besonders wenn man abends im Bett noch ein paar Seiten lesen möchte und so kann man sich von Kapitel zu Kapitel lesen.

Plot 1 ist die Story von Mats. Ein Psychiater, der in Buenos Aires lebt und vor Jahren Deutschland verlassen hat, als seine Frau an Krebs erkrankte und diese verließ, als ihre Krankheit so weit fortgeschritten war, dass diese den Freitod mit einem Giftcocktail wählte. Hierbei verließ er nicht nur seine Frau, die er unmittelbar nach der Einnahme des  Giftcocktail verlassen hat und diese alleine in der Wohnung sterben ließ, sich in eine kurze Affäre mit der Kollegin des psychiatrischen Notdienst eingelassen hat und bei seinem Weglaufen auch seine Tochter Nele verlassen hat. Aufgrund der in Kürze stattfinden Niederkunft seiner Tochter Nele, begibt er sich auf einen Nachtflug, trotz Flugangst, von Buenos Aires nach Berlin Tegel.

Plot 2 ist die Story von Nele. Die hochschwangere Tochter von Mats, die in Berlin lebt, HIV infiziert ist, ein schlechtes Händchen für ihre Männer hat und auch ihr letzter Mann und Kindsvater, Daniel Kupfer, sie bei der Nachricht schwanger zu sein verprügelt und verlässt, aber eben nicht so ganz, sondern sie immer wieder stalkt, zum einen, um das Kind abtreiben zu lassen (erzählt sie rückblickend) und weil sie ihn auch mit HIV infiziert hat.

Plot 3 wird von Feli erzählt. Mats bittet sie aus dem Flugzeug ihm zu helfen seine Tochter wiederzufinden und versucht das in wenigen Stunden zu bewerkstelligen, da diese am späten Nachmittag ihren Partner standesamtlich heiraten will, für Mats, auf den sie eigentlich stinkig ist, weil er auch sie nach dem One-Night-Stand verlassen hat, aber mehr um Neles Willen, die schwanger ist.

Plot 4 ist die auf dem Flug sich befindende Purserette Kaja Claussen, die eben in der Geschichte Chefstewardess ist und vor Jahren Mats Patientin war, da sie unfreiwillige Geisel und Vergewaltigungsopfer in der Schule bei einem Amoklauf war, was jedoch auch gefilmt wurde, wie sie vergewaltigt wurde und unter den Schülern verbreitet wurde.

Plot 5 widmet sich Franz, eine weitere tragische Gestalt in der Gesichte und Veganer, der Mats Tochter auf dem Weg in die Klinik mit seinem Taxi entführt, mit dem Ziel, sie entbinden zu lassen, um ihr den Säugling zu entreißen und dabei zu filmen, wie Neles Mutterinstinkt alles tun wird, um ihr Kind zu bekommen, um auf die Situation der Milchbetriebe aufmerksam zu machen, wie auch den Kühen Kälber entrissen werden, damit diese eben noch mehr Milch abgeben. 

Soweit zu den Hauptcharakteren und dann ist da noch Livio, meist am Rande, der Feli erst bestiehlt und sie dann auf der Suche begleitet und fährt und sich ganz zum Ende als Daniel Kupfer entpuppt. Bei dem ausgewählten Namen Livio war mir manchmal nicht so ganz klar, ob ich an die blonde Hupfdohle von der Teenie-Band ATC ("Around the World... Lalalala") oder an eine Blechdose mit Salatöl denken soll. 

Irgendwie hat da jeder in der Story total einen an der Waffel und eigentlich würde sich kein Mensch in der Realität so verhalten, aber Ok, es ist ja auch ein Roman. Da dürfen die Charaktere auch bekloppt sein, auch wenn es schon arg befremdlich ist, was der Autor sich da so ausgedacht hat und hat eher den Eindruck, dass er dem Verlag schnell ein Manuskript liefern musste, daher gibt es auch ein paar Deus ex Machina in der Story, weil der Autor sich offenbar nicht klar war, wie er den einen oder anderen Handlungsstrang enden lassen sollte. Ebenso hat er meist einen sehr flüssigen Stil, der sich gut lesen lässt, aber auch sehr deutlich schreibt, dass man sich die Szenerie vorstellen kann, um zum Schluss sich mit kryptischen Wortspielen zu versteigen, statt einfach klarzumachen, dass Mats an seinen Verletzungen gestorben ist.

Mats wird von seiner Tochter gebeten, ihr nach der Entbindung zu helfen und reist aus diesem Grund nach Berlin. Beim Boarding erfährt man, dass Mats ein Flugangstseminar absolviert hat und auch die "sichersten" Plätze bei einem Absturz reserviert hat und so hat es ihn viel Mühe gekostet, sieben! Sitzplätze in den unterschiedlichen Klassen zu reservieren. Hierbei überlässt er den Sitzplatz 7A einer Passagierin mit einem Kleinkind, da die Fluggesellschaft durch einen Reservierungsfehler den designierten Platz mit Babykörbchen in der Economy vergeben hat. Hier ist eigentlich schon die erste Unlogik, denn die meisten Fluggesellschaften erlauben keine Kinder in der Business-Class, um die Ruhe der anderen Passagiere zu gewährleisten. Nun denn, so hat Mats ja noch sechs weitere Sitzplätze, wovon sich auch ein anderer Passagier für einen seiner Sitzplätze entschieden hat, sich schlafend stellt und somit Mats einen anderen Sitzplatz für den Startlauf wählt. Nach einem Disput und einer dreisten Lüge gegenüber einem Flugbegleiter, mit der Behauptung, er habe ihn geschlagen, da Mats nach dem verlassen der Bordtoilette stressbedingtes Nasenbluten hat, tritt Kaja Claussen in Erscheinung, nach der Mats verlang. Diese sich professionell bei ihm entschuldigt und in die Sky-Lounge einlädt, ein Teilbereich im Flugzeug des A380 im oberen Deck, der wie eine Suite aufgeteilt ist, den restlichen Flug dort zu absolvieren und sie ihm versichert, aufgrund ihrer Position als Purserette, sie es vertreten könnte, da diese ja eh den Flug über leer sei und eigentlich nur ein Marketing-Gag sei (sicher, eine Fluggesellschaft, die ebenso im harten Wettbewerb steht und es sich leisten kann, einen beachtlichen Teil seines Flugzeug nicht kommerziell zu verwenden. Das schafft nicht mal Emirates).

Mats erhält im Steigflug der Maschine einen Anruf mit einer verzerrten Stimme, er solle das Flugzeug zum Absturz bringen und dabei einen perfiden Plan aushecken, nämlich, was er dann auch erfährt, die Purserette Kaja Claussen so sehr in ein Gespräch verwickeln und mit ihrer Vergangenheit triggern, dass diese im Wahn das Flugzeug zum Absturz bringen soll, andernfalls würde seine Tochter und das Neugeborene sterben.

Parallel ist Nele zuhause und wartet auf das vorbestellte Krankentransporttaxi, was sie in die Klinik fahren soll, da die Geburt als Kaiserschnitt vorgesehen ist, um das Baby bei der Geburt nicht zu infizieren. Beim Sitzen auf dem Sofa findet sie zwischen den Sitzkissen eine Rasierklinge, an der sie sich fast geschnitten hat und denkt rückwirkend an die gestörte Beziehung mit ihrem Partner, an die Misshandlungen und das Stalking, wie zerstochene Autoreifen, ungebetene Besuche in ihrer Wohnung, dass sie das Schloss hat austauschen lassen, ein Babykorb mit einer toten Ratte. Dabei platzt ihr die Fruchtblase und Nele schleppt sich runter zum Taxi und ist überrascht, dass das Taxi schon wartet, wo sie auf Franz trifft. Von den ersten Wehen geplagt, stellt sie fest, dass Franz sie nicht in die Klinik fährt, sondern ganz woanders hin. Ein Entkommen aus dem Auto scheint unmöglich und noch dazu, wo die Wehen in immer kürzeren Abständen kommen und findet sich in einer Box in einem ehemaligen Vieh- und Milchkombinat der ehemaligen DDR wieder, auf einer Pritsche gefesselt, während Franz sie filmt, ihr seine Story erzählt, warum er das macht und er ein Zeichen setzen will, in Form eines Videos, was den Kühen tagtäglich angetan wird. Dabei heult er immer wieder rum, weil ihm Nele und ihre Geburtswehen leid tun.

Eine knappe Flucht gelingt Nele, als Franz von einem Objektschutz-Wachmann gestört wird, doch wählt sie den falschen Weg und begibt sich immer tiefer in die Bauruine und springt zum Schluss in eine Grube, um vor Franz zu fliehen, was sich als damalige Abfallgrube entpuppt.

Dann wieder im Flugzeug, bittet Mats mit einem Anruf Feli, Nele zu suchen und erklärt ihr in knappen Worten von der Erpressung, bittet sie aber, die Polizei nicht einzuschalten. Feli begibt sich auf die Suche und fängt in Neles Wohnung an, findet den nassen Fleck auf dem Sofa, sucht im Badezimmer nach weiteren Hinweisen und findet heraus, dass Nele HIV hat, wird von jemanden, der ebenfalls die Wohnung aufsucht, gestört und bekommt im dunklen Bad die Finger gequescht, als sie die Hand im Türrahmen hatte und der Unbekannte von außen die Türe zuknallen lässt. Alles das hindert Nele aber nicht, sich weiter auf die Suche zu machen, sie fährt in die Praxis, wo Nele behandelt wurde, trifft dort auf Livio, der ihr erst das Handy stiehlt, um es dann unten in der Apotheke im Ärztehaus zu verkaufen, was Nele aber sieht, ihn stellt und mit einem Anruf bei der Polizei bedroht. Wo er sich aus dem Staub machen will, bietet Nele aber an, ihr bei der Suche nach was auch immer zu helfen, worauf sie sich einlässt. Nele fährt also kreuz und quer durch Berlin, auch zu einem Psychiater und Kollegen, wo sie im Auto von Livio die Geldbörse verliert und Livio den Inhalt kontrolliert, was € 97 und par Cents beinhaltet, sowie ihren Hochzeitstermin (später bietet Livio ihr an, sie weiter zu fahren und sie machen einen Hunni aus, den Feli dann auch mit zwei 50-Euro-Noten bezahlt (obwohl sie nur € 97 in der Börse hat!, aber an solche Kleinigkeiten soll man sich ja nicht aufhalten).

Na ja und ab dann wird es immer bekloppter. Im Bordunterhaltungsprogramm, auf einem leeren Kanal, befindet sich das Video von Kajas Vergewaltigung und die Endung, die Mats bis dahin nicht kannte, nämlich dass Kaja zu ihrem Peiniger zurückgekehrt ist, nach der Vergewaltigung, ihn umarmt und küsst und so kommt man schrittweise dem Irrsinn immer näher.

Kaja, die ihr Trauma nicht überwunden hat und nach wie vor suizidgefährdet ist und dies zusammen mit der Frau des Psychiaters, den Feli besuchte, ausgeheckt hat, denn jener Psychiater will ein Lobby-Gesetz durchdrücken, wo Screenings für Fluggesellschaften der Besatzungen und Passagiere durchgeführt werden sollen, an denen er ordentlich verdienen wird und hier wird auch recht pietätlos das Unglück der Germanwings aufgegriffen. Die Frau des Psychiaters entpuppt sich als die Frau mit dem Kleinkind, der Mats ganz jovial den Platz 7A angeboten hat, die aber von Kaja im Flugzeug mit der Pistole des Skymarshalls erschießt, der eigentlich Mats im Auge behalten sollte, da dieser ja sieben Sitzplätze reserviert hatte. Feli findet Nele in der Abfallgrube im Keller, wird aber von Franz, der zu einem Baumarkt gefahren ist, um Seile und Winden zu holen, mit einer Stange niedergeschlagen und trotz einer Platzwunde und Gehirnerschütterung und kaum Licht, hilft sie dennoch Nele das Kind auf die Welt zu bringen und bricht dann zusammen. Franz holt Nele aus dem Loch, lässt aber Feli zurück und will sie weiter filmen, wie sie nach ihrem Säugling schreit und bringt Nele dafür in eine ehemalige Kühlkammer. Franz wird von Livio erschlagen und zwar mit dem Holzscheit, den Franz zwischen die Tür der Kühlkammer geklemmt hatte, damit diese nicht schließt, wobei sich dann aber diese Tür schließt und die Kühlkammer mit Livio und Nele in eine luftdichte Kammer verwandelt. Nele soll eigentlich von Livio, der sich als ihr Ex Daniel Kupfer entpuppt, getötet werden; Nele tötet aber mit dem Teppichmesser Livio/Daniel und ergibt sich ihrem Schicksal, langsam zu ersticken.

Im Landeanflug will Kaja das Flugzeug zum Absturz bringen und damit sich und alle anderen töten, was Mats verhindern kann und fängt sich selbst eine Kugel in den Kopf ein und "erwacht" in der Klinik, jedoch im Wachkoma (Locked-in-Syndrom) und beantwortet die Fragen zu dem, was er weiß, mit Augenzwinkern, sodass die Polizei Nele, wie auch Feli finden, die dann in der gleichen  Klinik wie Mats behandelt werden.

Als Nele dann mit ihrem Baby zu Mats kommt und er in seinem Syndrom merkt, dass seine Tochter und Enkelin gerettet sind, sieht er sich noch einmal mit seiner verstorbenen Frau in der Skylounge, wie sie auf dem Bett liegt und beide zusammen fliegen, sich das Interior und Flugzeug langsam auflöst und er und seine Frau wie auf Wolken schweben.... und somit Mats an seinem Hirntrauma verstorben ist.

Ich habe schon viele Storys gelesen, gute und auch schlechte Romane, aber bei der sehr kruden Story, die auch immer vorhersehbarer wird, habe ich so einen Mist schon lange nicht mehr gelesen. Die gesamte Story und Zusammenhänge sind so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass man entweder sich kaputtlacht oder einfach nur den Kopf schüttelt und sich fragt, ob Fitzek irgendwie noch die Story rettet. Aber Nein. Mein erster und auch letzter Fitzek, denn auch im Anhang, wo er sich entschuldigt, nichts gegen Veganer zu haben, aber den Veganer so voller Klischees zeichnet und hassenswert und das vermutlich nur wegen dem Hype gerade eingewoben hat, weil er sonst nicht wusste, was er sonst mit Nele hätte machen können. Zu viel Hype und Marketing um das Buch von einem Bestseller-Autor macht daraus auch kein besseres Buch und noch weniger eine gute Geschichte. Schlechter Stil finde ich auch, den noch recht frischen Absturz und die dahinter stehende Tragödie der Germanwings einzubeziehen (hätte es den Absturz nicht gegeben, hätte es auch Flugangst 7A nicht gegeben?) und ebenso dass jeder Charakter irgendwie unsympathisch ist, man sich nicht mit einem verbindet, oftmals eine schnodderige, ja primitive Ausdrucksweise, auch wenn die Charaktere und Plots wechseln, so sprechen die Charaktere in Dialogen immer im gleichen Stil. Würde also nicht der Kapitelanfang stehen, wäre manchmal gar nicht klar, wer da gerade überhaupt spricht.

Positiv ist das Cover und Design, ein guter Lesestil und die Klippenhänger am Ende der Kapitel. Das war es dann aber auch.




viernes, 22 de diciembre de 2017

Titania Special Folge 13 „Der geheime Garten“





Autor: Frances Hodgson Burnett / Hörspielskript Marc Gruppe
Label: Titania Medien
Genre: Hörspiel, Belletristik-Jugendroman
Laufzeit: ca. 75 Minuten
Audio CD (24. November 2017)
Anzahl Discs/Tonträger: 1
Verfügbarkeit: CD/Download
ISBN: 978-3-7857-5364-4



Klappentext:


Die zehnjährige Mary Lennox, Tochter eines in Indien stationierten englischen Kolonialbeamten, hat ihre Eltern während einer Cholera-Epidemie verloren. Sie soll daher zukünftig auf dem englischen Landsitz ihres Onkels leben. Das uralte Herrenhaus birgt für das eigensinnige Mädchen, das sich schwer tut, sich an das neue Leben und die ihr fremde Umgebung zu gewöhnen, so manche Überraschung...



Vorwort:


Die Zeit ist wieder mal gekommen in der Titania eine Special Folge rausgebracht hat. Dieses Jahr etwas später als gewöhnlich aber dennoch ist der Zeitpunkt exzellent gewählt, weil dieses Hörspiel wunderbar mit seinem Charakter in die besinnliche Vorweihnachtszeit passt. Dies wird auch die letzte Rezension von mir in diesem Jahr sein und auch ich werde die letzten Tage des Jahres gebührend genießen. Aber zuerst möchte ich euch dieses Special ans Herz legen und euch meine Eindrücke dazu schildern. Ich wünsche wie immer viel Spaß und los geht’s :-)



Handlung:


Das Jahr 1899. Die kleine Mary Lennox, ein ziemlich störrisches, mürrisches, dürres und hässliches kleines Mädchen, beginnt als frisches gebackenes Waisenkind ein neues Leben bei Ihrem Onkel, der nun der Vormund für sie sein soll, auf einem düsteren Herrensitz in England. Angekommen in England wird sie von der Hausdame Mrs. Medlock in Empfang genommen, die sie auf den Herrensitz Misselthwaite Manor, ein riesiger und dunkler Landsitz umgeben vom Moor, bringen soll und sich fortan um sie zu kümmern. Doch wie es scheint kommt Mary vom Regen in die Traufe. Ihr Onkel, Archibald Craven, Witwer, ein vom Leben gezeichneter und kranker Mann, der sehr zurückgezogen lebt, ist ihr zwar wohl gesonnen, wünscht aber jedoch nicht von seinem neuen Schützling gestört zu werden, nicht mal von seinem eigenen Sohn, Colin Craven und verbringt die meiste Zeit des Jahres nicht auf Misselthwaite Manor. Einzig sein Butler Mr. Pitcher hat näheren Kontakt zu ihm. Mrs Medlock, die sie mit harter Hand, mit Verboten und Auflagen führt und der Landsitz, der alles andere als eine Oase für Kinder ist, so scheint es zumindest... 

Martha Sowerby, ein Hausmädchen auf Misselthwaite, hat jedoch einen ungezwungenen Zugang zu Mary, aber auch, wie die gesamte Dienerschaft, wenig Zeit sich mit ihr zu beschäftigen. Die meiste Zeit verbringt Mary daher in der Natur, getreu dem Motto die Natur heilt die Wunden der Seele und verhilft zu einem Neuanfang, nach ihrem tragischen Verlust. Dort weisen sie der ebenfalls mürrische Gärtner Ben Weatherstaff und ein gewisses Rotkehlchen in die Geheimnisse von Misselthwaite ein.

Nach und nach blüht Mary auf, macht sich mehr und mehr mit ihrer Umgebung vertraut und findet sogar einen Freund in Dickon Sowerby, dem Bruder des Hausmädchens, bis sie eine Entdeckung macht, den geheimen Garten, was wiederum eine Kette von Ereignissen lostritt... So entdeckt sie den ebenfalls zurückgezogen lebenden, widerspenstigen und eingebildet kranken Colin Craven, der unter Tobsuchtsanfällen leidet und die Dienerschaft mitunter schlecht behandelt, im Glauben er sei sterbenskrank. Doch die kleine Mary lässt sich durch nichts aufhalten und krempelt Misselthwaite und seine Bewohner durch ihre Art gehörig um und befreit sie nach und nach aus ihrer Lethargie.



Rezension:


Vorab möchte ich euch sagen, dass es mir eine Ehre ist, euch solch ein schönes Hörspiel durch meine Rezension näherzubringen. Der geheime Garten ist an sich eine wunderbare Geschichte, die nicht besser in diese Zeit passen könnte und die ich bereits aus Verfilmungen kenne. Natürlich sind die bewegten Bilder auch eine tolle Zeit der Unterhaltung, aber ein Hörspiel lässt einen, wenn es gut gemacht ist, noch was entspannter und tiefer in die Geschichte eintauchen. Man kann es sich gemütlich machen, entspannt zurücklehnen, die Augen schließen und seiner Phantasie freien lauf lassen und das gehörte zu gedanklichen Bildern formen. Eine Ehre ist es aber auch, weil dies ein high class Hörspiel ist und sich einige Hörspiel-Legenden die Ehre erweisen und die Charaktere mit ihren Stimmen und ihrem Ausdruck zum Leben erwecken.

Es ist eine wunderbare Geschichte, weil sie an unsere Grundwerte erinnert, die wir heute so oft aus den Augen verlieren, an den Blick auf die kleinen Dinge im Leben, die Natur und ihre Schönheit, das nach vorne schauen, egal wie groß der Schmerz auch ist, Chancen wahrzunehmen, einen Verlust auch nach vielen Jahren endlich zu verarbeiten, die Fürsorge füreinander und das Liebevolle und dass sich alles zum Guten wenden kann. Darum ist es eine herrliche und herzerwärmende Geschichte, die wunderbar in unsere Zeit passt und ganz besonders in die Vorweihnachtszeit. Wenn ihr die Geschichte im Originaltext in Englischer Version nachlesen wollt, so könnt ihr sie sogar kostenfrei beim Projekt Gutenberg abrufen: http://www.gutenberg.org/files/17396/17396-h/17396-h.htm

Mit seinem Hörspiel Skript beweist Marc Gruppe mal wieder, dass er auch eine umfangreiche Vorlage zu einem stimmigen Skript umschreiben kann, indem er die Kernessenz der Kapitel gekonnt herausschreibt und so einen stimmigen Plot kreiert. Das ist ihm hier sehr gut gelungen. Die Vertonung ist auch eine Meisterleistung und unterstützt durch ihre Akzentuierung das jeweilige Ambiente der verschiedenen Situationen. Die Musik unterstreicht sanft die Stimmung durch Klavier, klassische Geige, Blas- und Streichinstrumente und wirkt nie überlagernd, sodass die Szenerie gut untermalt wird, aber die Sprecher nie stört. Bodo Primus übernimmt die Rolle des Märchenerzählers und seine sanfte Stimme nimmt einen auf, umarmt einen und begleitet durch die Geschichte und die Abenteuer der kleinen Mary. Diese wird von Uschi Hugo gesprochen. Uschi´s Stimme kennt ihr bestimmt als Synchronstimme einiger Hollywood Blockbuster wie X-Men, Pitch Perfect and the list goes on.... Für erwachsene Synchronsprecher ist es ja oft schwierig ein Kind darzustellen (Mary ist 10 Jahre und Uschi Hugo nun mal nicht mehr 10) aber das gelingt ihr durch ihren Ausdruck und ihre Stimmfarbe ausgezeichnet, es wirkt nie gestellt, nie zu kindisch oder zu piepsig. Auf Mary´s Synchronstimme war ich sehr gespannt und muss sagen, dass es Uschi Hugo sehr gut gelungen ist.

Aber die Liste der Hörspiel Legenden hört natürlich hier noch nicht auf und geht weiter. Die Hausdame Mrs. Medlock wird von meiner persönlichen Göttin des Hörspiels, von Dagmar von Kurmin gesprochen und ich liebe es. Zum Glück hat sie einen großen Sprechteil und übernimmt den Part der strengen Hausdame, mal auch Hausdrache, die eigentlich aber immer der gute Geist des Hauses ist. Sie ist einfach ein absoluter Profi und das hört man auch, Ausdruck, Stimmlage, Tempo, bei ihr merkt man einfach ihr schauspielerisches Talent sofort und es ist ein absoluter Genuss ihr zuzuhören. Thomas Balou Martin übernimmt die Rolle des Butlers Mr. Pitcher und wenn ihr seine Stimme aus anderen Hörspielwerken kennt, dann könnt ihr hier sein großes Talent erhören, was er mit seiner Stimme darstellen kann. Er deckt eine breite Bandbreite mit seiner Stimmfarbe ab und klingt ganz anders als sonst, angepasst an seine Rolle halt und das macht er perfekt. Man nimmt ihm die Rolle des noblen Dieners sofort ab. Vergleicht es mal mit seinen anderen Werken, ihr werdet überrascht sein. Das Hausmädchen Martha Sowerby spricht Reinhilt Schneider und auch bei ihr bin ich mir sehr sicher, dass ihr ihre Stimme kennt, es sei denn ihr lebt unter einem Stein :D Reinhilt Schneider ist aus unzähligen Produktionen Bekannt, aus Film und Fernsehen und vor allem aus Hörspielproduktionen so hat sie viele Prinzessinenrollen gesprochen und Hörspielfans kennen sie sicher aus einigen Produktionen wie Hanni und Nanni, Schrumpelmei oder den Produktionen des Labels Europa, also eine wahre Größe der Synchronstimmen. Sie hat noch immer ihre jugendliche Stimme behalten und man nimmt ihr hier die Rolle des vor guter Laune überschäumenden Hausmädchens, die gerne was redselig ist, sofort ab. Ihr Bruder, Dickon Sowerby, ein freundlicher Zeitgenosse, der einen besonderen, magischen Zugang zu Tieren hat und den jeder kennt und mag, spricht Jannik Endemann. Ja, man könnte sagen, dass Talente vererbbar sind. Jannik ist der Sohn von Reinhilt Schneider und ebenfalls aus vielen Produktionen bekannt wie Käptn Blaubär, TKKG und als Synchronsprecher ausländischer Kollegen, der die Rolle glaubhaft und immer positiv gestimmt spielt.

Die Rolle des Gärtners Ben Weatherstaff übernimmt eine weitere Größe, ein Urgestein der Synchronsprecher und Schauspieler. Horst Naumann, oder sollte ich sagen Dr. Römer (Schwarzwaldklinik) Dr. Schröder (Das Traumschiff) :-) Hörspielfans ist auch er natürlich ein Begriff aus den Werken des Labels Europa und Titania. Seine raue Stimme passt perfekt zu der Rolle des mürrischen alten Gärtners. Matthias Lühn ist für die Rolle des Vaters Archibald Craven zuständig, eine kleinere Rolle hier aber nicht minder Eindrucksvoll. Seine warme Stimme spiegelt die Person des wohlgestellten Herren, gefangen in seiner Trauer, mit dem Gefühl im Leben bei seinem Sohn versagt zu haben wunderbar wieder. Die Szenen, in denen er all sein Leid ablegt und sich wieder dem Leben und seiner gebliebenen Familie öffnet gehen wahrlich ans Herz. Sein Sohn, Colin Craven, wird von Tom Raczko (ihre kennt ihn vielleicht aus Serien wie u.a. als Stimme von Nick aus der U.S. Serie Missing, Doctor Who oder Da Vinci´s Demons) eingesprochen und seine Arbeit war sicherlich nicht leicht. Man spürt förmlich, wie er sich in die Rolle des eingebildeten Kranken und unter Tobsuchtsanfällen leidenden Jungen hineingefühlt hat und das bereitete mir Gänsehautmomente während des Zuhörens. Eine kleinere Rolle wird Marie Bierstedt zuteil. Und wenn euch ihr Nachname bekannt vorkommen sollte, dann liegt ihr richtig, sie ist die Tochter von Detlef Bierstedt, den wir ja auch aus Hörspielproduktionen kennen, unter anderem aus der Titania Sherlock Holmes Reihe. Sie spricht die verstorbene Ehefrau von Archibald Craven, Lilian Craven, seine liebende Gattin, welche ihm im Traum erscheint. Ihr seht also, Titania zündet mit seinem diesjährigen Special ein wahres Feuerwerk an tollen Sprechern und einigen Hörspiel Legenden. Mit diesem Hörspiel könnt ihr nichts falsch machen, weil es durch ein durchweg stimmiges Konzept besticht. Eine wunderbare Geschichte, erstklassige Sprecher, eine tolle Szenerie, angefangen von der Anfangsszene im Bahnhof über die Szenen im Garten mit liebevoller Atmosphäre durch sanftes Vogelzwitschern und wehenden Bäumen und Gräsern im Wind, oder die Örtlichkeit des 600 Jahre alten, düsteren Herrenhauses mit ca. 100 Zimmern. Die Vertonung passt immer und stellt genau das dar, was sie soll und das immer perfekt abgestimmt.

Alles in allem war es ein absoluter Hochgenuss, das diesjährige Titania Special zu hören und ich kann es auch nur wärmstens empfehlen. Gönnt euch diese kleine Auszeit im vorweihnachtlichen Stress. Es ist ein herzerwärmendes Hörspiel, durchaus für Erwachsene, was ihr aber auch mit Kindern hören könnt. Für die ganze Familie sozusagen. Und wenn euch die Geschichte irgendwie an den kleinen Lord Fauntleroy erinnert, dann liegt ihr richtig, denn sie stammt von der selben Autorin, von Frances Hodgson Burnett.

Das war die letzte Rezension von meiner Seite aus für dieses Jahr. Wie immer wünschen wir euch viel Spaß beim Hörspiel Hören, habt ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Und denkt dran, in vielen kleinen Dingen wohnt ein Zauber inne, ein neuer Anfang für wunderbare Zeiten.



Bis zum nächsten Jahr.

Eure Hörspielfans Marcel und Matt.

miércoles, 20 de diciembre de 2017

Sherlock Holmes Folge 32 „Der Griechische Dolmetscher“





Autor: Sir Arthur Conan Doyle/Hörspielskript Marc Gruppe
Label: Titania Medien
Genre: Hörspiel, Krimi
Laufzeit: ca. 55 Minuten
Audio CD (24. November 2017)
Anzahl Discs/Tonträger: 1
Verfügbarkeit: CD/Download
ISBN:978-3-7857-5547-1



Klappentext:


Zu Dr. Watsons großer Überraschung erfährt er, dass Sherlock Holmes einen Bruder namens Mycroft hat, dessen Geistesgabe, nach Angaben des Meisterdetektivs, die seinen sogar noch übertreffen! Mycroft Holmes macht die beiden Bewohner der Baker-Street 221b im Diogenes-Club mit einem Nachbarn bekannt. Mr. Melas ist Dolmetscher für die griechische Sprache und hat von sehr seltsamen Ereignissen zu berichten...



Vorwort:


Liebe Freunde des Hörspiels, liebe Holmes Fans, das Jahr neigt sich dem Ende zu und diese Holmes Episode wird für dieses Jahr die letzte sein, bevor Titania mit Sherlock in eine kleine Pause geht, um die Reihe dann im Frühjahr 2018 fortzuführen. Aber keine Sorge, Titania wird uns und unsere Ohren nach ihrer verdienten Winterpause mit wunderbaren Hörspielen versorgen und soviel vorab, für die Holmes Fans unter euch werde ich die ein oder andere Episode aus der Titania Krimi Klassiker Reihe aufgreifen und so die Zeit versüßen.

Aber genug der kleinen Ausblicke, denn hier geht es ja vorrangig um den Griechischen Dolmetscher. Ich persönlich mag diese Folge sehr, denn diese Episode hält eine Überraschung bereit, die für den Charakter Holmes eine kleine Sensation bedeutet und ist recht umfangreich, aber lest/hört selbst 😊



Handlung:


An einem Sommernachtmittag, bei Tee in der berühmten Baker Street 221b, diskutieren Holmes und Watson über die Vererbbarkeit von besonderen Begabungen. Uneins in ihren Meinungen – Holmes vertritt die Ansicht, dass eindeutig die Vererbung eine große Rolle spielt, Watson dagegen, dass besondere Talente, so auch Holmes Begabung für das Deduzieren, den eigenen Bemühungen seit Jugend zu verdanken sei. Um seine Theorie zu bekräftigen, schildert Holmes einen Einblick aus seiner Herkunft und Familie. So erfahren wir, dass seine Ahnen Englische Landedelleute waren, seine Großmutter eine Schwester eines Französischen Künstlers war und dass sein Bruder, Mycroft Holmes, ja, ihr lest richtig, Holmes hat einen lebendigen Bruder, die besondere Gabe des Deduzierens und den Holmes typischen Scharfsinn im größeren Maße als er selbst geerbt hat.

Sichtlich überrascht, so hielt Watson ihn doch für einen Waisen, wie wir alle vermutlich, den letzten seiner Familie, erfragt er weitere Details über Mycroft Holmes. Des Abends beschließen die beiden Freunde Holmes Bruder einen Besuch abzustatten, in einem Club, in dem Mycroft des häufigeren verkehrt, dem Diogenes-Club, der schon fast wieder in Anti-Club ist, weil er die clubunfähigsten Gentlemen der Stadt beherbergt und Konversation in höchstem Maße unerwünscht und untersagt ist, außer ein einem bestimmten Raum, wo Flüsterton gestattet ist.

Dort im Diogenes-Club wird Watson auch gleich Zeuge eines Deduzierduells zwischen Sherlock und seinem Bruder und kann nunmehr erstaunt zusehen, wie die beiden Brüder sich gegenseitig übertreffen und er selber, wie so oft, unwissend ist. Der nächste Fall für den Meisterdetektiv lässt natürlich auch nicht lange auf sich warten. So stellt Mycroft den Griechischen Dolmetscher Mr. Melas vor, der sich mit seinem Problem an Mycroft gewandt hatte. Zwei Herren, Mr. Harold Latimer und Wilson Kemp waren auf die Übersetzungsdienste von Mr. Melas angewiesen und entführten ihn zu diesem Zweck in ein abgelegenes Anwesen, wo er Zeuge einer schauderhaften Situation wurde. Ein offensichtlich nur Griechisch sprechender Mann, der gegen seinen Willen in dem Anwesen gefangen und gequält wurde, sollte mit Hilfe der Sprachkenntnisse von Mr. Melas unter Druck gesetzt werden, um seine Einwilligung zur Unterzeichnung bestimmter Dokumente zu geben. Unbemerkt der beiden Schurken, fragt der Dolmetscher den Gefangenen mit kleinen Zusatzfragen aus, wer er ist, wo sie sich befinden, um mehr über die Situation herauszufinden. Gerade als ihm der Durchbruch gelingen will und er entscheidende Informationen erhaschen könnte, betritt ungeplant eine junge Dame, Sophia Kratides, den Raum, die in enger Verbindung zu dem Gefangenen steht, aber augenscheinlich nichts von dessen Anwesenheit und Schicksal wusste. So löst sich die Situation auf, Mr. Melas wird unter scharfen Androhungen wieder hinfort gebracht und an einem ihm unbekannten Ort frei gelassen. Da ihm aber das Schicksal der jungen Dame und des Gefangenen nicht aus dem Kopf geht und am Herzen liegt, überwindet er die Angst vor den Drohungen und vertraut sich seinem Nachbarn, Mycroft Holmes an. Da Mycroft aber viel zu bequem ist und das Kriminalisieren seinem Bruder eher liegt, entschließt Sherlock sich dem Fall anzunehmen und so beginnt die weitere Geschichte und ein Wettlauf gegen die Zeit...



Rezension:


Der Griechische Dolmetscher ist wohl einer der besonderen Holmes Fälle. Zum einen, weil man einiges über das Privatleben von Sherlock erfährt, was Doyle sonst weitestgehend vermeidet und so im Dunkeln bleibt. So tritt sein Bruder Mycroft in den Kanon Erzählungen nur zwei mal auf und hier erfährt Watson überhaupt von seiner Existenz. Zum anderen unterscheidet sich die Story von den meisten anderen Holmes Fällen. Natürlich ist auch hier wieder der typische Scharfsinn vorhanden, spielt aber fast schon, bis auf die Anfangsszene beim Deduzierduell im Diogenes-Club, eine untergeordnete Rolle. In dieser Folge haben sie es mit gefährlichen Schurken zu tun, die auch nicht vor der Ausübung von Gewalt keineswegs zurückschrecken und da sie sich dem Fall angenommen haben, haben sich selber in akute Gefahr gebracht und so ist dies auch ein Hörspiel, welches sich durch eine stets ansteigende Spannungskurve auszeichnet und in einem dramatischen Höhepunkt gipfelt. Also eher Holmes untypisch, findet ihr nicht auch?

Marc Gruppe hat sich auch hier wieder eng an die originale Story gehalten und so fallen mir nur zwei Unterschiede auf. Direkt in der Anfangsszene wird im Original noch zusätzlich Sherlocks Einstellung gegenüber dem weiblichen Geschlecht geschildert, das hat Marc Gruppe weggelassen, was aber für die Story im Ganzen keinen Nachteil bedeutet. Der zweite Part, der hier im Hörspiel leicht anders als im Original dargestellt wird, befindet sich gegen Ende. Als die Gruppe der Ermittler sich Zugang zum Anwesen der Schurken Latimer und Kemp verschaffen will, verweist Doyle im Original darauf, dass Sherlock einen Revolver bei sich trägt und das Fenster wie ein Meisterdieb aufbricht, um Zugang zum Anwesen zu bekommen, sodass der anwesende Inspektor darauf hinweist, dass es ein Glück sei, dass Sherlock auf der richtigen Seite des Gesetzes stünde. Dadurch bekommt der Charakter etwas verwegeneres. Hr. Gruppe wählte hier einen anderen Weg. So entdeckt Sherlock im Hörspiel, dass das Fenster bereits geöffnet ist, was er dann mit einer gehörigen Portion Süffisanz gegenüber der Gruppe kund tut und so stellt Marc Gruppe Sherlock etwas weniger verwegen dar, dafür eher in seiner typischen Überlegenheit und mit was spöttischem Humor. Das Ende im Originaltext finde ich zu Abrupt. Doyle handelt dies in ein paar kurzen Sätzen ab, indem er die Notizen von Watson niederschreibt. Marc Gruppe hat daraus Dialoge geschrieben, indem er die Ermittlergruppe nochmals zusammenkommen lässt. Wie gesagt, was mir bei Titania sehr gut gefällt, dass sie sich schon eng an die Vorlage halten, aber an den richtigen Stellen die richtigen Justierungen vornehmem. Das werdet ihr feststellen, wenn ihr die Originale kennt und in den Genuss der Hörspiele kommt.

Die Besetzung ist auch diesmal wieder erstklassig. Natürlich ist wieder das bekannte Duo Joachim Tennstedt (Holmes) und Detlef Bierstedt (Watson) mit dabei, in gewohnter Professionalität. Tennstedt klingt bei den Flüsterszenen im Diogenes-Club mit seinem Bruder fast schon vergnügt und man spürt die Freude, die es ihm macht, sich mit seinem Bruder Mycroft auszutauschen. Bierstedt leistet diesmal ganze Arbeit, indem er seine pure Verwunderung ausdrückt, sich verschluckend an feinem Englischen Tee, ein doch so elementares Detail über seinen Freund erst jetzt zu erfahren, wechselnd hinzu Britischer Empörtheit, nicht schon eher informiert worden zu sein, köstlich, dass man fast denken könnte Detlef Bierstedt habe Englische Wurzeln :-)

Mycroft Holmes, ein gemütlicher, stattlicher und übergewichtiger Mann, wird von Thomas Balou Martin gesprochen und ich bin mir fast sicher, dass ihr seine Stimme kennt, aus Film und Fernsehen und selbst, wenn ihr noch kein Hörspiel gehört habt, dann kennt ihr ihn als Schauspieler Deutscher Serien, wie zum Beispiel Tatort. Er lässt seine Stimme für Mycroft etwas dunkler und rauer klingen, wodurch man sich sehr gut bildlich einen gemütlichen und kräftigen Mann vorstellen kann, der seinen Bruder auch mal schelten kann. Der Griechische Dolmetscher wird hier von Georg Tryphon eingesprochen. Wenn ihr die Werke von Loriot kennt, dann sollte euch seine Stimme daher bekannt vorkommen, unter anderem von Ödipussi. Und ich muss sagen, er landet mit seiner Arbeit eine Punktlandung. Mr. Melas (Der Griechische Dolmetscher) ist ein ängstlich wirkender Charakter, der sich von den Drohungen der beiden Schurken leicht beeindrucken lässt und mit jeder Silbe nimmt man ihm seine Vorsicht und Angst ab, sodass man schon Mitleid mit dem armen Kerl hat und in der Situation, in der er sich befindet. Das Duo der beiden Schurken wird von Timmo Niesner (Harold Latimer) und Helmut Winkelmann (Wilson Kemp) gesprochen. Timmo Niesner hat mich doch sehr überrascht und auch seine Stimme müsste euch auf jeden Fall bekannt sein. Er ist die Deutsche Synchronstimme von Frodo und so hatte ich für einen Bruchteil einer Sekunde das innerliche Bild vor Augen, dass Frodo in einer Droschke sitzend plötzlich garstig geworden ist und Mr. Melas bedroht. Wie gesagt, das hielt aber nur für eine Millisekunde an, denn Timmo legt eine Meisterleistung auf die Mikros mit seiner Vertonung. Ich war derart überrascht, vom dem Wechsel des sympathischen und höflichen Gentleman, mit leichtem Unterton in der Stimme, der nichts gutes erahnen lässt, man sich aber gut vorstellen kann, dass die arme Sophia Kratides auf seine Verführung und das Vortäuschen von Liebe hereingefallen ist, hin zum plötzlichen Kriminellen mit deutlicher Grobheit, sodass ich mich schon fast als Fahrgast in der Droschke sah, mit Entsetzen und Ungewissheit, wohin die Reise geht. Helmut Winkelmann spricht den zweiten Schurken, Wilson Kemp, der kein Geheimnis aus seiner Grobheit und Gewalt macht und das nimmt man ihm auch ab. Seine Stimme hat mich so manches mal während des Hörspiels erschaudern lassen, vor allem die Teile, wo er zur Untermalung so ein leicht dämonisches Lachen einsetzt. Ein absoluter Höhepunkt, der mich auch sehr mitgenommen hat, ist die Sprechleistung von Sascha von Zambelly und Annina Braunmiller-Jest. Sie sprechen das Griechische Geschwister Paar und wie ich schon ein einer anderen Rezension schrieb, kann Sascha von Zambelly mit seiner Stimme eine sehr breite Gefühlspalette darstellen. Die beiden spielen die Szene, als sie im Haus der beiden Schurken aufeinandertreffen so dramatisch, dass einem der Atem stockt. Lutz Reichert spielt wieder den Kommissar Lestrade, der diesmal eine kleine Rolle inne hat, ein wenig stotternd, aber im typisch Sherlock Holmes unterlegenen Stil.

Also abschließend muss ich sagen, dass dies eine absolut gelungene Hörspielproduktion von Titania ist. All die Vorzüge, die Titania ausmachen, sei es das Gespür von Marc Gruppe für ein stimmiges Skript, nah am Original, aber auch mal mit kleinen Feinheiten der Verbesserung, oder die Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe, die jede Szene super authentisch darstellt -alleine die Szenerie auf den Londoner Straßen, ihr werdet es lieben- bis zur Auswahl und Leistung der first class Sprecher, könnt ihr hier hören, ein wirklich gelungenes und empfehlenswertes Hörspiel, auch für nicht Holmes Fans, wie ich finde.

Ich wünsche euch wie immer viel Spaß auf den Ohren, bis zum nächsten Jahr, wenn die Holmes Winterpause vorbei ist.